Jun 17, 2026
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Liquiditätsmanagement & Cashflow

Liquidität berechnen: Formel, Beispiele & Liquiditätsgrade 2026

Aktualisiert: 
Jun 17, 2026

Liquidität ist die Grundlage Deiner unternehmerischen Handlungsfähigkeit. Wer seine Zahlungsfähigkeit kennt, kann Investitionen sicher angehen, Skonto ziehen, in Verhandlungen souverän auftreten und Wachstumschancen nutzen, ohne sich zu verheben. Genauso wichtig: Die meisten Insolvenzen entstehen nicht durch fehlenden Gewinn, sondern durch fehlende Liquidität, wer sie kennt, kann Engpässe früh erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Genau deshalb lohnt es sich, die Liquidität zu berechnen. In diesem Artikel erfährst Du, wie Du die Liquidität Deines Unternehmens berechnest, was Liquidität 1., 2. und 3. Grades bedeuten und wie Du die Ergebnisse richtig einordnest. Du bekommst die Formeln, durchgerechnete Beispiele, eine Anleitung für Bilanz und Excel sowie praktische Tipps, wie Du Deine Liquidität gezielt steuerst.

Liquidität berechnen: Formel, Beispiele & Liquiditätsgrade 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Liquidität beschreibt die Fähigkeit Deines Unternehmens, kurzfristige Zahlungsverpflichtungen jederzeit pünktlich zu erfüllen. Sie ist die Basis dafür, handlungsfähig und planbar zu wachsen.
  • Berechnet wird sie über drei Liquiditätsgrade: Liquidität 1. Grades (nur flüssige Mittel), 2. Grades (zusätzlich kurzfristige Forderungen) und 3. Grades (zusätzlich Vorräte).
  • Die Grundlogik ist immer gleich: Du teilst die verfügbaren Mittel durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten und multiplizierst mit 100, um einen Prozentwert zu erhalten.
  • Gesunde Richtwerte: Liquidität 1. Grades rund 20 bis 30 %, Liquidität 2. Grades 100 bis 120 %, Liquidität 3. Grades mindestens 120 % (ideal 150 bis 200 %). Die Werte variieren je nach Quelle und Branche.
  • Liquidität ist nicht dasselbe wie Gewinn. Ein profitables Unternehmen kann zahlungsfähig bleiben oder in einen Engpass geraten, je nachdem, wann Geld tatsächlich fließt.
  • Bilanzkennzahlen sind eine Momentaufnahme. Für gute Entscheidungen ergänzt Du sie um eine laufende, vorausschauende Liquiditätsplanung, zum Beispiel mit einer Software wie Tidely.

Was bedeutet Liquidität?

Liquidität ist die Fähigkeit Deines Unternehmens, fällige Zahlungen jederzeit fristgerecht leisten zu können. Sie misst, wie schnell und unkompliziert Vermögenswerte in Geld umgewandelt werden können, um Rechnungen, Gehälter, Steuern und Lieferanten zu bezahlen. Je höher Deine Liquidität, desto handlungsfähiger ist Dein Unternehmen.

Entscheidend ist die zeitliche Perspektive. Ein voller Auftragsbestand ist wertvoll, hilft aber nicht weiter, wenn die Kundenzahlung erst in 60 Tagen eingeht und die Gehälter nächste Woche fällig sind. Liquidität beantwortet deshalb eine sehr konkrete Frage: Ist zum richtigen Zeitpunkt genug Geld verfügbar?

Eine gute Liquidität ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Unternehmen mit solidem Liquiditätspolster können günstig einkaufen, Skonto nutzen, in Wachstum investieren und Verhandlungen aus einer Position der Stärke führen.

Wie kann man die Liquidität berechnen?

Die Liquidität berechnest Du, indem Du die kurzfristig verfügbaren Mittel den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüberstellst. Weil nicht jeder Vermögenswert gleich schnell zu Geld wird, nutzt die Betriebswirtschaft dafür drei abgestufte Kennzahlen, die sogenannten Liquiditätsgrade.

Es gibt also nicht die eine Liquiditätsformel, sondern drei Stufen, die aufeinander aufbauen:

  • Liquidität 1. Grades: flüssige Mittel im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.
  • Liquidität 2. Grades: flüssige Mittel plus kurzfristige Forderungen im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.
  • Liquidität 3. Grades: flüssige Mittel plus Forderungen plus Vorräte im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Die Logik dahinter ist einfach: Je höher der Grad, desto mehr Vermögenswerte werden einbezogen, und desto höher fällt der Wert in der Regel aus. Je niedriger der Grad, desto strenger und konservativer ist die Kennzahl.

International werden die drei Grade als Cash Ratio (1. Grad), Quick Ratio (2. Grad) und Current Ratio (3. Grad) bezeichnet. So wird es auch im Gabler Wirtschaftslexikon definiert.

Die Grafik unten zeigt, wie sich die drei Liquiditätsgrade aufbauen. Jeder Balken summiert die Vermögenswerte, die in den jeweiligen Grad einfließen: beim 1. Grad nur die flüssigen Mittel (50.000 €), beim 2. Grad zusätzlich die kurzfristigen Forderungen (90.000 €) und beim 3. Grad zusätzlich die Vorräte (120.000 €).

Die rote Linie steht für die kurzfristigen Verbindlichkeiten (80.000 €), also das, was kurzfristig zu bezahlen ist. Reicht ein Balken über die rote Linie hinaus, sind die Verbindlichkeiten gedeckt. Beim 1. Grad bleibt der Balken darunter, ab dem 2. Grad ist die Zahlungsfähigkeit rechnerisch sichergestellt.

Übersicht der drei Liquiditätsgrade als Balken: 1. Grad flüssige Mittel 50.000 €, 2. Grad plus Forderungen 90.000 €, 3. Grad plus Vorräte 120.000 €, im Vergleich zu kurzfristigen Verbindlichkeiten von 80.000 €
Hinweis: Beim 1. Grad sind bereits 20 bis 30% gesund. Eine vollständige Deckung aus flüssigen Mitteln ist nicht nötig.
Kurz gesagt: Liquidität berechnen heißt, verfügbare und kurzfristig realisierbare Mittel den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüberzustellen. Die drei Liquiditätsgrade zeigen Deine Zahlungsfähigkeit aus drei Blickwinkeln: vom strengen Blick auf das Bankguthaben (1. Grad) bis zur umfassenden Sicht inklusive Vorräten (3. Grad).

Liquidität 1. Grades berechnen: Formel und Beispiel

Die Liquidität 1. Grades (Barliquidität, Cash Ratio) zeigt, welchen Anteil Deiner kurzfristigen Verbindlichkeiten Du sofort mit flüssigen Mitteln decken kannst. Sie ist die strengste der drei Kennzahlen, weil sie ausschließlich sofort verfügbares Geld berücksichtigt.

Formel:

Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100

Zu den flüssigen Mitteln zählen Bargeld, Bankguthaben und sehr kurzfristig verfügbare liquide Mittel wie Schecks. Forderungen und Vorräte zählen hier bewusst nicht mit.

Beispiel: Dein Unternehmen hat 50.000 Euro auf dem Geschäftskonto. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen 80.000 Euro.

50.000 Euro ÷ 80.000 Euro × 100 = 62,5 %

Interpretation: Du könntest 62,5 % Deiner kurzfristigen Verbindlichkeiten sofort aus eigener Kasse bezahlen. 

Wichtig für die Einordnung: Als gesund gilt für die Liquidität 1. Grades meist ein Wert von 20 bis 30 % (je nach Branche bis etwa 50 %). Mit 62,5 % liegst Du darüber. Das ist kein Risiko für die Zahlungsfähigkeit, deutet aber darauf hin, dass vergleichsweise viel Geld ungenutzt auf dem Konto liegt, das Du investieren oder verzinslich anlegen könntest.

Liquidität 2. Grades berechnen: Formel und Beispiel

Die Liquidität 2. Grades (einzugsbedingte Liquidität, Quick Ratio) berücksichtigt zusätzlich die kurzfristigen Forderungen, also Beträge, die Deine Kunden in Kürze zahlen sollen. Für viele Unternehmen ist sie die praxisnächste Kennzahl, weil sie nicht nur das Konto von heute, sondern auch die realistisch eingehenden Zahlungen abbildet.

Formel:

Liquidität 2. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100

Beispiel: Zu den 50.000 Euro flüssigen Mitteln kommen 40.000 Euro kurzfristige Forderungen. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten liegen weiterhin bei 80.000 Euro.

(50.000 Euro + 40.000 Euro) ÷ 80.000 Euro × 100 = 112,5 %

Interpretation: Ein Wert von 100 bis 120 % gilt als gesund.

Mit 112,5 % kann Dein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten voraussichtlich vollständig decken, vorausgesetzt, die Kunden zahlen pünktlich. Genau hier liegt der praktische Hebel: Forderungen sind nur dann liquide, wenn sie auch wirklich termingerecht eingehen.

Liquidität 3. Grades berechnen: Formel und Beispiel

Die Liquidität 3. Grades (Current Ratio) bezieht zusätzlich die Vorräte mit ein und liefert damit die umfassendste Sicht auf die kurzfristige Zahlungsfähigkeit. Zu den Vorräten zählen zum Beispiel Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse sowie geleistete Anzahlungen.

Formel:

Liquidität 3. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Vorräte) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100

Beispiel: Zusätzlich zu den 50.000 Euro flüssigen Mitteln und den 40.000 Euro Forderungen besitzt Dein Unternehmen Vorräte im Wert von 30.000 Euro. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen 80.000 Euro.

(50.000 Euro + 40.000 Euro + 30.000 Euro) ÷ 80.000 Euro × 100 = 150 %

Interpretation: Als solide gilt ein Wert von mindestens 120 %, ideal sind 150 bis 200 % (1,5 bis 2,0), allerdings nur, wenn die Vorräte tatsächlich schnell verkäuflich sind.

Weil Vorräte sich nicht sofort in Geld verwandeln lassen, ist die Liquidität 3. Grades für kurzfristige Entscheidungen weniger aussagekräftig als der 1. und 2. Grad.

Gut zu wissen: Bei Tidely liegt der Fokus bewusst auf der Liquidität 1. und 2. Grades, weil diese die Zahlungsströme abbilden, mit denen Du im Tagesgeschäft direkt arbeiten kannst.

Übung: Liquidität 1, 2 und 3 Grades an einem Beispiel berechnen

Am besten verstehst Du die drei Liquiditätsgrade, wenn Du sie einmal gemeinsam an denselben Zahlen durchrechnest. Wir nutzen dafür die Werte aus den Beispielen oben und stellen die Ergebnisse nebeneinander.

Ausgangswerte

PositionBetrag
Flüssige Mittel (Kasse, Bank)50.000 €
Kurzfristige Forderungen40.000 €
Vorräte30.000 €
Kurzfristige Verbindlichkeiten80.000 €

Daraus ergeben sich die drei Kennzahlen

Liquiditätsgrad Berechnung Ergebnis Gesunder Richtwert
1. Grades (Cash Ratio) 50.000 ÷ 80.000 × 100 62,5 % 20 bis 30 %
2. Grades (Quick Ratio) 90.000 ÷ 80.000 × 100 112,5 % 100 bis 120 %
3. Grades (Current Ratio) 120.000 ÷ 80.000 × 100 150 % mind. 120 % (ideal 150 bis 200 %)

Was sagt uns das Beispiel vor allem?
Dass Du die drei Grade zusammen lesen solltest. Das Unternehmen ist zahlungsfähig: Der 2. Grad (112,5 %) und der 3. Grad (150 %) liegen im gesunden Bereich. Der 1. Grad liegt mit 62,5 % über dem Richtwert von 20 bis 30 %. Das ist kein Risiko für die Zahlungsfähigkeit, sondern ein Hinweis, dass viel Geld ungenutzt auf dem Konto liegt, das Du investieren oder verzinslich anlegen könntest.

Liquidität aus der Bilanz berechnen

Für die Berechnung der Liquidität entnimmst Du die nötigen Werte dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten Deiner Bilanz. Die Gliederung folgt dabei dem Aufbau des Umlaufvermögens nach § 266 HGB. So ordnest Du die Bilanzposten den drei Liquiditätsgraden zu:

  • Flüssige Mittel: Kassenbestand, Bankguthaben und Schecks aus dem Umlaufvermögen.
  • Kurzfristige Forderungen: vor allem Forderungen aus Lieferungen und Leistungen mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr.
  • Vorräte: Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse sowie Waren.
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, kurzfristige Bankverbindlichkeiten und sonstige Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit unter einem Jahr.


Du findest diese Posten an zwei Stellen der Bilanz. Auf der Aktivseite stehen unter dem Umlaufvermögen die flüssigen Mittel, die Forderungen und die Vorräte. Auf der Passivseite stehen die Verbindlichkeiten, von denen Du nur die kurzfristigen mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr berücksichtigst. Aus diesen Werten setzt Du die jeweilige Formel zusammen.

Ein kurzes Beispiel: Weist Deine Bilanz im Umlaufvermögen 50.000 Euro flüssige Mittel, 40.000 Euro Forderungen und 30.000 Euro Vorräte aus und stehen dem 80.000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber, hast Du genau die Werte, mit denen Du die Liquidität 1., 2. und 3. Grades berechnest. Die Zahlen findest Du im Jahresabschluss oder unterjährig in der Summen- und Saldenliste beziehungsweise der BWA Deiner Buchhaltung.

Die Bilanz eignet sich gut, um die Liquiditätsgrade strukturiert und nachvollziehbar zu ermitteln. Sie hat aber eine wichtige Grenze, die Du kennen solltest: Sie zeigt nur einen einzigen Stichtag, und dieser liegt oft schon Wochen oder Monate zurück, bis der Abschluss vorliegt. Wie sich Deine Liquidität in den kommenden Wochen entwickelt, verrät sie nicht. Dazu später mehr.

Freie Liquidität berechnen

Die freie Liquidität zeigt, wie viel Geld Dir nach Abzug aller fälligen kurzfristigen Zahlungen tatsächlich zur freien Verfügung steht. Sie ist weniger eine klassische Bilanzkennzahl als vielmehr eine praktische Steuerungsgröße für den Alltag.

Anders als die Liquiditätsgrade, die ein Verhältnis in Prozent ausdrücken, ist die freie Liquidität ein konkreter Euro-Betrag. Sie sagt Dir nicht, wie gut Deine Kennzahlen aussehen, sondern wie viel Geld Du heute wirklich einsetzen könntest, ohne eine fällige Zahlung zu gefährden.

Eine einfache Annäherung lautet:

Freie Liquidität = verfügbare flüssige Mittel + offene Kreditlinien − fällige kurzfristige Verbindlichkeiten

Ein Beispiel: Du hast 50.000 Euro auf dem Konto und eine offene Kreditlinie von 20.000 Euro, gleichzeitig sind in den nächsten Tagen 40.000 Euro an Gehältern, Mieten und Rechnungen fällig. Deine freie Liquidität beträgt dann 50.000 + 20.000 − 40.000 = 30.000 Euro. Nur über diesen Betrag kannst Du frei verfügen, der Rest ist bereits verplant.

Die freie Liquidität beantwortet damit die Frage, die Dich im Tagesgeschäft wirklich interessiert: Wie viel Spielraum habe ich gerade, um zu investieren, Vorräte aufzustocken oder eine Sondertilgung vorzunehmen, ohne meine Zahlungsfähigkeit zu gefährden?

Wichtig dabei: Rechne nur mit Kreditlinien, die tatsächlich verfügbar sind, und zähle kein Geld mit, das bereits verplant ist, etwa für anstehende Steuern oder Löhne. Und weil sich Dein Kontostand und Deine Verbindlichkeiten täglich ändern, ist die freie Liquidität keine Einmalrechnung. Am aussagekräftigsten ist sie, wenn Du sie laufend mitführst.

Liquidität berechnen mit Excel

Excel ist ein guter Startpunkt, um die Liquidität zu berechnen und im Blick zu behalten. Mit einer strukturierten Vorlage erfasst Du die wichtigsten Kennzahlen schnell und erkennst, ob Dein Unternehmen finanziell solide aufgestellt ist.

Lade Dir dafür unsere kostenlose Excel-Vorlage zur Liquiditätsplanung herunter und trage Deine Werte ein. So hast Du eine saubere Grundlage für regelmäßige Auswertungen.

Excel stößt allerdings schnell an Grenzen, sobald Dein Unternehmen wächst:
Es liefert keine automatische Bankanbindung, keine Echtzeitdaten und ist bei manueller Eingabe fehleranfällig. Wenn Du Deine Liquidität effizient und vorausschauend steuern willst, ist eine spezialisierte Software der nächste logische Schritt. 

Tools wie Tidely synchronisieren Kontodaten automatisch und reduzieren den wöchentlichen Zeitaufwand durchschnittlich um 51 %, was etwa 4 Stunden pro Woche entspricht. Das belegt die Tidely-Nutzerumfrage in welcher 125 Tidely-Kunden befragt wurden. 

Möchtest Du verschiedene Softwares vergleichen, um die passende für Dich zu finden? Wir empfehlen Dir folgenden Artikel:

Lesetipp: Die 10 besten Tools zur Liquiditätsplanung im Vergleich 2026

Liquidität richtig einordnen: Welche Werte sind gesund?

Eine gesunde Liquidität hängt stark von Branche und Geschäftsmodell ab. Als Orientierung gelten rund 20 bis 30 % beim 1. Grad, 100 bis 120 % beim 2. Grad und mindestens 120 % (ideal 150 bis 200 %) beim 3. Grad. Je nach Quelle und Branche variieren diese Werte. So liest Du Deine Werte:

  • Werte über 100 % (außer 1. Grad): Dein Unternehmen kann seine kurzfristigen Verbindlichkeiten sicher decken. Sehr hohe Werte, gerade bei der Liquidität 1. Grades, können aber auf ungenutztes Kapital hindeuten, das Du produktiver einsetzen könntest.
  • Werte unter dem Richtwert: ein Hinweis, genauer hinzuschauen. Es kann sinnvoll sein, offene Forderungen schneller einzuziehen, Ausgaben zeitlich zu strecken oder die liquiden Mittel gezielt aufzubauen.
  • Grade vergleichen: Betrachte Liquidität 1. und 2. Grades zusammen, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Der 3. Grad ergänzt die Sicht, ist für kurzfristige Entscheidungen aber weniger aussagekräftig.


Zwei Dinge sind für die Einordnung jedoch wichtiger als der absolute Wert:

  • Erstens die Branche: Im Handel und E-Commerce ist beispielsweise viel Kapital in Vorräten gebunden, der 3. Grad fällt dort naturgemäß höher aus, der 1. Grad oft niedriger. Bei Dienstleistern und Agenturen gibt es kaum Vorräte, dort liegen 2. und 3. Grad näher beieinander.
  • Zweitens der Trend: Ein stabiler oder steigender Wert über mehrere Monate sagt mehr aus als eine einzelne Momentaufnahme. Vergleiche Deine Liquidität deshalb mit der Vorperiode und mit Deiner Branche, nicht nur mit einem allgemeinen Richtwert.

Warum weicht die Liquidität vom Richtwert ab?

Liegt ein Liquiditätsgrad unter dem Richtwert, liegt das meist an gebundenem oder verzögertem Geld, nicht an fehlendem Umsatz. Die häufigsten Ursachen:

  • Späte Kundenzahlungen: Offene Forderungen werden nicht rechtzeitig zu Geld.
  • Hohe Lagerbestände: Kapital ist in Vorräten gebunden, die sich nur langsam verkaufen.
  • Hohe kurzfristige Verbindlichkeiten: zum Beispiel, wenn langfristige Anschaffungen kurzfristig finanziert wurden.
  • Unerwartete Ausgaben: Reparaturen oder Nachzahlungen zehren liquide Mittel schnell auf.
  • Fehlende Kreditlinien: ohne Puffer schlägt jede Schwankung sofort auf die Liquidität durch.
  • Saisonale Schwankungen: Einnahmen und Ausgaben fallen zeitlich auseinander.
  • Schnelles Wachstum: Wer stark wächst, muss Material, Personal und Vorleistungen oft bezahlen, bevor die Umsätze eingehen. Paradoxerweise wird die Liquidität in Wachstumsphasen also knapper, nicht üppiger.


Wichtig ist, vorübergehende Abweichungen (etwa saisonale Schwankungen) von strukturellen zu unterscheiden, die im Geschäftsmodell selbst liegen. Erstere überbrückst Du, letztere musst Du grundsätzlich angehen.

Wie kannst Du Deine Liquidität gezielt stärken?

Wenn Deine Liquidität außerhalb des Wunschbereichs liegt, gibt es mehrere wirkungsvolle Hebel:

  • Forderungen schneller einziehen: kürzere Zahlungsziele vereinbaren und Rechnungen zeitnah stellen.
  • Zahlungsziele auf der Ausgabenseite verhandeln: längere Fristen bei Lieferanten verschaffen Spielraum, das Gegenstück zum schnelleren Forderungseinzug.
  • Kosten optimieren: Fixkosten prüfen und Konditionen mit Lieferanten neu verhandeln.
  • Lagerbestände schlank halten: Kapital, das in Vorräten gebunden ist, freisetzen.
  • Working Capital steuern: Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten zusammen betrachten, denn genau dort steckt das gebundene Kapital.
  • Finanzierungsspielräume nutzen: Kontokorrentlinien oder Factoring gezielt einsetzen.
  • Vorausschauend planen: Liquidität laufend überwachen, um Spielräume früh zu erkennen und Liquiditätsengpässe zu vermeiden.
Übersicht von sieben Hebeln für mehr Liquidität, gegliedert nach Einnahmenseite, Ausgabenseite sowie Finanzierung und Steuerung
Wichtig: Nicht alle Hebel wirken gleich. Factoring oder der Verkauf ungenutzter Vermögenswerte schaffen schnell Luft, lösen aber nicht die Ursache. Nachhaltig wirken bessere Prozesse: zügige Rechnungsstellung, klare Zahlungsbedingungen und eine laufende Planung, die Engpässe früh sichtbar macht.

Warum Liquidität nicht gleich Gewinn ist

Gewinn und Liquidität sind zwei verschiedene Dinge: Der Gewinn zeigt, was nach Abzug aller Kosten verdient wurde, die Liquidität zeigt, wie viel Geld jetzt verfügbar ist. Beide Größen können auseinanderlaufen, und der Grund dafür liegt in der Buchhaltung selbst.

Die Gewinn- und Verlustrechnung erfasst einen Umsatz bereits dann, wenn Du die Rechnung stellst, nicht erst, wenn das Geld eingeht. Umgekehrt mindern Investitionen oder Kredittilgungen Dein Konto, ohne den Gewinn zu schmälern, während Abschreibungen den Gewinn senken, ohne dass Geld abfließt. So entsteht regelmäßig eine Lücke zwischen dem, was Du verdient hast, und dem, was tatsächlich auf dem Konto liegt.

Ein Beispiel: Du schreibst im Januar Rechnungen über 100.000 Euro und bist auf dem Papier hochprofitabel. Zahlen Deine Kunden aber erst in 60 Tagen, während Gehälter, Miete und Steuern schon jetzt fällig sind, kann das Konto leer sein, obwohl die GuV einen Gewinn ausweist. In Deutschland werden 45 % aller B2B-Rechnungen verspätet bezahlt (Intrum, 2024), genau solche Verzögerungen reißen die Lücke auf.

Der umgekehrte Fall ist ebenso möglich: Ein Unternehmen kann Verluste schreiben und trotzdem zahlungsfähig bleiben, etwa weil ein Kredit oder eine Anzahlung frisches Geld bringt. Beides zeigt dasselbe: Der Gewinn allein sagt nichts über die Zahlungsfähigkeit aus. Deshalb lohnt es sich, neben den Gewinnzahlen immer auch die Liquidität im Blick zu behalten.

Die gute Nachricht: Wer seine Zahlungsströme kennt, kann gezielt gegensteuern, lange bevor aus einer verspäteten Zahlung ein Problem wird.

Aus der Praxis: Die kritischsten Phasen sind selten die umsatzschwachen Monate. Es sind die Wochen, in denen große Ausgaben wie Steuervorauszahlungen oder Jahresversicherungen auf verzögerte Kundenzahlungen treffen. Eine vorausschauende Liquiditätsbetrachtung macht genau diese Überschneidungen früh sichtbar.

Die Grenzen klassischer Liquiditätskennzahlen

Klassische Liquiditätsgrade aus Bilanz oder BWA sind wertvoll, liefern aber immer nur eine Momentaufnahme zu einem vergangenen Stichtag. Sie beruhen auf historischen Daten und sagen wenig darüber aus, wie sich Deine Liquidität in den nächsten Wochen entwickelt. Drei Schwächen solltest Du dabei im Kopf behalten:

  • Stichtagseffekt: Die Werte lassen sich gezielt beeinflussen. Wer kurz vor dem Bilanzstichtag offene Verbindlichkeiten begleicht oder Zahlungen verschiebt, verbessert die Kennzahl rechnerisch, ohne dass sich an der tatsächlichen Lage etwas ändert.
  • Qualität der Forderungen: Der 2. Grad unterstellt, dass alle Forderungen pünktlich eingehen. Sitzt darunter ein säumiger oder zahlungsunfähiger Kunde, ist die Kennzahl zu optimistisch. Die reine Höhe der Forderungen sagt eben nichts über ihre Werthaltigkeit.
  • Annahme zur Veräußerbarkeit: Der 3. Grad rechnet Vorräte voll mit, als ließen sie sich jederzeit zu Geld machen. In der Praxis sind manche Bestände aber schwer oder nur mit Abschlag verkäuflich.


Was die statischen Kennzahlen außerdem nicht abbilden, sind die entscheidenden dynamischen Faktoren: ausstehende Zahlungen, neu hinzukommende Verbindlichkeiten und erwartete Cashflows. Für vorausschauende Entscheidungen brauchst Du deshalb eine Ergänzung, die laufende Zahlungsein- und -ausgänge berücksichtigt.

Auch das ist ein Grund, warum sich der Blick lohnt: Eine gute Eigenkapitalausstattung allein ersetzt keine Liquiditätsplanung. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Mittelstand liegt bei 30,7 % (KfW, 2025), doch Eigenkapital steht in der Bilanz, nicht auf dem Konto. Genau hier setzt eine dynamische Betrachtung an, wie sie der nächste Abschnitt zeigt.

Liquidität dynamisch berechnen und planen mit Tidely

Tidely ergänzt die klassischen Liquiditätsgrade um eine dynamische, vorausschauende Sicht auf Deine Zahlungsfähigkeit. Statt eines einzelnen Stichtags arbeitet die Software mit den tatsächlichen Ein- und Auszahlungen, die direkt aus Deinen Bankkonten und angebundenen Buchhaltungssystemen kommen.

So berechnest und planst Du Deine Liquidität laufend und nicht nur rückblickend:

  • KI-Onboarding und Prognose in 15 Minuten: Tidely synchronisiert Deine Transaktionen, die KI sortiert sie automatisch gegen einen sauberen Kategoriebaum, erkennt Trends in Deinen historischen Zahlungsströmen und schlägt Dir auf Basis der letzten 12 Monate Planwerte für die nächsten 24 Monate vor.
  • Automatische Bankanbindung: Anbindung an über 5.000 Banken sowie Buchhaltungs- und ERP-Systeme mit tagesaktueller Synchronisierung.
  • KI-gestützter Auto Forecast: automatische Liquiditätsprognose auf Basis Deiner historischen Zahlungsströme.
  • Szenario-Vergleiche: Best, Base und Worst Case mit wenigen Klicks gegenüberstellen.
  • Dashboard mit Echtzeit-KPIs: tagesaktueller Überblick über Deine gesamte Finanzlage.
  • Flexible Zeitansichten und Reportings: von der 21-Tage-Sicht über die 13-Wochen-Planung bis zur strategischen Jahresübersicht, inklusive PDF- und Excel-Berichten auf Knopfdruck.


Neu ist außerdem die direkte DATEV-Anbindung.
Damit fließen Deine Buchhaltungsdaten automatisch in Tidely, ohne dass Du Belege oder Auswertungen manuell übertragen musst. Gerade wenn Deine Buchhaltung über DATEV läuft oder Dein Steuerberater damit arbeitet, sparst Du Dir die doppelte Pflege: Die Daten aus der Finanzbuchhaltung stehen direkt in Deiner Liquiditätsplanung zur Verfügung.

Tidely ist in Deutschland entwickelt, DSGVO-konform und ISO 27001 zertifiziert. Die Daten liegen auf deutschen Servern mit Verschlüsselung auf Bankenniveau. 

Wie zuverlässig eine vorausschauende Planung ist, zeigt der Branchenstandard: In den ersten vier Wochen erreicht eine rollierende 13-Wochen-Planung über 95 % Prognosegenauigkeit (GTreasury, 2025). In Tidely erstellst Du sie jetzt mit einem Klick.

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Häufig gestellte Fragen zur Liquiditätsberechnung

Wie berechnet man die Liquidität?

Die Liquidität berechnest Du über die drei Liquiditätsgrade. Du teilst die verfügbaren Mittel durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten und multiplizierst mit 100. Der 1. Grad nutzt nur flüssige Mittel, der 2. Grad zusätzlich kurzfristige Forderungen, der 3. Grad zusätzlich Vorräte.

Wie berechne ich die Liquidität 1. Grades?

Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100. Beispiel: 50.000 Euro flüssige Mittel geteilt durch 80.000 Euro Verbindlichkeiten ergeben 62,5 %. Der gesunde Richtwert liegt bei rund 20 bis 30 %.

Wie berechne ich die Liquidität 2. Grades?

Liquidität 2. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100. Diese Kennzahl, auch Quick Ratio genannt, gilt bei 100 bis 120 % als gesund, weil dann die Verbindlichkeiten durch Geld und kurzfristig erwartete Zahlungseingänge gedeckt sind.

Welche Rolle spielen kurzfristige Forderungen bei der Berechnung der Liquidität?

Kurzfristige Forderungen fließen ab der Liquidität 2. Grades in die Berechnung ein. Sie sind Geld, das Du in Kürze erwartest. Sie verbessern die Kennzahl allerdings nur dann real, wenn Deine Kunden pünktlich zahlen. Deshalb solltest Du sie immer mit einem realistischen Blick auf das Zahlungsverhalten bewerten.

Was ist der Unterschied zwischen Liquidität 1., 2. und 3. Grades?

Die drei Grade unterscheiden sich darin, welche Vermögenswerte einbezogen werden. Der 1. Grad zählt nur flüssige Mittel, der 2. Grad zusätzlich kurzfristige Forderungen, der 3. Grad zusätzlich Vorräte. Mit jedem Grad steigt der Wert, gleichzeitig sinkt die Sicherheit, dass die Mittel sofort verfügbar sind.

Wie berechnet man die Liquidität aus der Bilanz?

Du entnimmst flüssige Mittel, Forderungen und Vorräte dem Umlaufvermögen und stellst sie den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber. Die Bilanz liefert dafür eine saubere Struktur, zeigt aber nur einen Stichtag. Für die laufende Steuerung ergänzt Du sie um eine vorausschauende Liquiditätsplanung.

Kann ein Unternehmen Gewinn machen und trotzdem nicht liquide sein?

Ja. Gewinn und Liquidität sind unterschiedliche Größen. Ein profitables Unternehmen kann vorübergehend zu wenig Geld auf dem Konto haben, etwa wenn Kunden spät zahlen oder Kapital in Vorräten gebunden ist. Deshalb gehört zur Gewinnbetrachtung immer auch der Blick auf die Liquidität.

Wie oft sollte ein Unternehmen seine Liquidität berechnen?

Idealerweise laufend. Eine reine Stichtagsbetrachtung aus der Bilanz reicht für die Steuerung nicht aus. Wer seine Liquidität mindestens wöchentlich aktualisiert oder ein Tool mit automatischer Bankanbindung nutzt, erkennt Spielräume und Engpässe früh genug, um zu handeln. Für Kapitalgesellschaften ist ein Frühwarnsystem zur Erkennung bestandsgefährdender Entwicklungen ohnehin gesetzlich vorgesehen (§ 1 StaRUG).

Quellen

Über den Autor

Niclas Storz: Founder & CEO von Tidely
Niclas Storz: Founder & CEO von Tidely
Founder & CEO

Niclas Storz ist Gründer und CEO von Tidely, einer Softwarelösung für das Liquiditätsmanagement von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Zuvor war er über 20 Jahre als Management Consultant tätig. Zuletzt als Senior Partner & Managing Director bei der BCG.

Niclas Storz: Founder & CEO von Tidely
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